Lions-Quest und Jugendaustausch: Lebenskompetenzen, die Brücken bauen

Lions-Quest und Lions-Jugendaustausch – Lebenskompetenzen, die Brücken bauen

Stiftungsvorständin Jutta Künast-Ilg (rechts im Bild) begrüßt die Aylin Kerent, die 2024 am Lions Youth Camp „Imagine Peace“ in Norwegen teilgenommen hat. | Lions Deutschland
Der authentische Bericht über ihre Erlebnisse im Lions Youth Exchange begeisterte die Zuhörenden und führte zu einem regen Austausch über die beiden Lions-Programme. | Lions Deutschland
Lions-Quest stärkt die Lebenskompetenzen junger Menschen. Aktuelle Studien zeigen, dass diese Fähigkeiten eine besondere Rolle in der Schule spielen. | Lions Deutschland
Die Vorträge wurden durch praktische Lions-Quest-Übungen ergänzt. Während einer besonderen Bingo-Variante sollten die Teilnehmenden ins Gespräch miteinander kommen. | Lions Deutschland

Wie entsteht Vertrauen in einer Gruppe, in der sich junge Menschen zum ersten Mal begegnen? Wie gelingt Verständigung, wenn Sprache, Kultur und persönliche Erfahrungen ganz unterschiedlich sind? Und welche Fähigkeiten helfen Jugendlichen, neue Situationen mutig, offen und respektvoll zu gestalten?

Diesen Fragen widmete sich der Workshop „Heimat für neue Perspektiven: Jugendaustausch & Lions-Quest“ am 15. Mai 2026 auf dem Kongress der Deutschen Lions in Stuttgart. 

Lions-Quest unterstützt junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, während der internationale Lions-Jugendaustausch Begegnungen mit anderen jungen Menschen über Ländergrenzen hinweg ermöglicht. Trotz unterschiedlicher Programmaspekte verbindet die Unterstützung junger Menschen beim Selbst- und Fremdverständnis, beim Aufbau von Vertrauen und bei der Übernahme von Verantwortung für ein gelingendes Miteinander beide Lions-eigenen Lebenskompetenzprogramme. 

Vertrauen als Grundlage für Begegnungen

Rita Bella Ada, Mitarbeiterin der Stiftung der Deutschen Lions und Lions-Mitglied, war 2024 als Betreuerin im „Lions Youth Camp Imagine Peace“ in Norwegen vor Ort. Hier kamen 41 Jugendliche aus rund 21 Nationen zusammen. Frau Bella Ada gab Einblicke in die verschiedenen Glaubenssätze, Kulturen, Gewohnheiten und Sprachen, die im Jugendcamp aufeinandertrafen. Zwar ermöglichte die Verständigung aller Teilnehmenden auf Englisch vieles, aber gerade beim Ausdruck von Emotionen war es schwierig, wenn die Teilnehmenden nicht in ihrer Muttersprache kommunizieren konnten. Neben diesen Faktoren war unter den Teilnehmenden ebenfalls ein Jugendlicher, der sich im Autismus Spektrum bewegte. All diese unterschiedlichen Bedürfnisse und Erfahrungen machten für das Betreuungsteam von Beginn an deutlich, dass es einen bewusst gestalteten Gruppenfindungsprozess benötigt, damit alle im Camp gemeinsam eine gute Zeit erleben können. 

Hier setzten Methoden aus Lions-Quest an. Norwegische Lions-Quest-Trainer*innen entwickelten für das Jugendcamp ein spezielles Modul mit Icebreakern und Energizern, die halfen, Hemmungen abzubauen, miteinander in Kontakt zu kommen und Vertrauen aufzubauen. Dazu gehörten spielerische Übungen ebenso wie das Ausarbeiten und Festhalten gemeinsamer Camp-Regeln. Die Jugendlichen übernahmen so nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Gruppe Verantwortung. Durch Lions-Quest als Basis für das Jugendcamp entstand ein Rahmen, in dem sich alle Teilnehmenden sicherer fühlten und sich Schritt für Schritt öffnen konnten.

Lebenskompetenzen in der Praxis

Das Beispiel aus Norwegen zeigt, dass Lions-Quest Lebenskompetenzen nicht abstrakt, sondern erfahrbar vermittelt. Genau das macht die Verbindung zum Jugendaustausch so stark. Was in Lions-Quest gelernt und eingeübt wird, z. B. Empathie, Selbstvertrauen, Perspektivwechsel, Kommunikationsfähigkeit und konstruktiver Umgang mit Konflikten, wird im internationalen Lions-Jugendaustausch unmittelbar genutzt.

Selbstvertrauen, das bleibt

Wie nachhaltig solche Erfahrungen sein können, schilderte auch Aylin, die das norwegische Jugendcamp als Teilnehmerin erlebte: „Ich habe gelernt, selbstbewusster auf Menschen zuzugehen und konnte meine Sprachkenntnisse verbessern. Ohne das im Camp gewonnene Selbstvertrauen, könnte ich heute mit Sicherheit nicht vor euch stehen, und so frei und entspannt über meine Erlebnisse berichten.“ Weiterhin erklärte Aylin, dass ihr die Fähigkeiten auch in ihrem aktuellen Job weiterhelfen und sie sehr von dem Jugendaustausch profitiert. 

Die Zeit in Norwegen war für Aylin natürlich nicht nur wegen der Landschaft und Natur unglaublich, sondern vor allem wegen der Herzlichkeit, die sie in ihrem Camp, aber auch durch ansässige Lions Clubs erlebt hat. Verschiedene Lions Clubs luden die Gruppe während ihrer Zeit vor Ort zu Aktivitäten ein. Ob es gemeinsames Rudern auf dem Wasser war, ein Erste-Hilfe-Kurs, oder eine Einladung zu selbstgekochtem Essen. Während ihrer Zeit erlebte Aylin Norwegen nicht nur als Gastland, sondern konnte durch die internationalen Begegnungen und den Austausch echte Gemeinschaft erleben.

Diese Gemeinschaft reicht weit über die Zeit im Jugend-Camp hinaus, denn Aylin steht auch heute noch mit einigen Teilnehmenden aus dem Camp in Kontakt. Seit über zwei Jahren tauschen sich die Teilnehmenden in einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe regelmäßig aus. Über die Zeit hat sich ein schönes Ritual entwickelt: Jeden Sonntag schicken sich die ehemaligen Camp-Teilnehmenden ein Bild – egal, wo sie gerade sind oder was sie tun.

Lions-Quest erleben

Um die Lions-Quest-Methoden nicht nur durch Erzählungen erleben zu können, lud Programmreferent Laurent Wagner die Teilnehmenden während des Workshops zu einem besonderen Bingo ein. Während der Übung aus dem Lions-Quest-Programm sollten die Anwesenden innerhalb von 5 Minuten jemanden finden, der/die z. B. mehr als zwei Geschwister hat, das gleiche Sternzeichen wie man selbst hat oder schon eine Lions-Quest-Fortbildung besucht/ an einem Jugendcamp teilgenommen hat. 

Innerhalb kürzester Zeit war der Raum mit Gesprächen und Lachen gefüllt und verdeutlichte, dass die Übung echte Verbindung schuf und den Austausch gezielt förderte. So bekamen die Teilnehmenden einen kleinen, praktischen Einblick in die Methoden, mit denen Lions-Quest das sozial-emotionale Lernen an Schulen fördert.  

Am Ende der fünf Minuten gab es einige Teilnehmende, die ein „Bingo“ verzeichnen konnten. In der anschließenden Reflexion der Übung, ein unabdingbarer Bestandteil der Lions-Quest-Methodik, schloss ein Teilnehmender mit den Worten: „Ich habe jemand Neuen kennengelernt“. Ein ehrliches Feedback, das zeigt, dass bereits kleine Übungen den Einstieg in Gruppenbildungsprozesse erleichtern können.

Lions-Quest als Fundament, Jugendaustausch als Erfahrungsraum

Lions-Quest und der internationale Lions-Jugendaustausch ergänzen sich auf besondere Weise. Lions-Quest legt ein Fundament für Lebenskompetenzen. Der Jugendaustausch bietet jungen Menschen einen geschützten Erfahrungsraum, in dem sie diese Kompetenzen anwenden, vertiefen und weiterentwickeln können.

Dabei ist Lions-Quest nicht auf Schule begrenzt. Die Haltung und Methoden lassen sich überall dort einsetzen, wo Menschen miteinander lernen, wachsen und Verantwortung übernehmen, z. B. auch in der Arbeit mit Studierenden, in außerschulischen Bildungsformaten oder im Jugendaustausch. Entscheidend ist die Haltung, denn es geht nicht nur darum, Wissen zu vermitteln, sondern junge Menschen zu stärken, resilienter zu machen und sie gut auf das Leben vorzubereiten.

Die Beispiele aus der Praxis zeigen, das Verständnis füreinander zu einem besseren Miteinander führt, egal ob im Klassenzimmer, in einer Jugendgruppe oder in einem internationalen Camp. Und genau diese Beispiele machen deutlich, wo sich Lions-Quest und der internationale Lions-Jugendaustausch treffen, denn beide Programme zeigen, wie Lions junge Menschen darin unterstützen, neue Perspektiven einzunehmen, Brücken zu bauen und Vertrauen in sich selbst und andere zu entwickeln – für ein besseres Miteinander. 

Weitere Informationen zum internationalen Lions-Jugendaustausch finden Sie hier.