Buchvorstellung Hurrelmann

Neues Buch von Prof. Klaus Hurrelmann: Produktive Realitätsverarbeitung – Sozialisation in einer Welt voller Unsicherheiten

Das Modell der produktiven Realitätsverarbeitung (abgekürzt MpR) ist ein Modell zur Erklärung der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen. Das Modell wurde von Klaus Hurrelmann zum ersten Mal in einem Beitrag im Fachmagazin „Zeitschrift für Sozialisationsforschung und Erziehungssoziologie“ im Jahr 1983 vorgestellt und wurde in den letzten Jahren nicht nur von Prof. Hurrelmann, sondern auch von anderen Fachwissenschafterinnen und Fachwissenschaftlern (wie zum Beispiel seinen früheren Mitarbeitern Ullrich Bauer, Matthias Richter und Gudrun Quenzel) ständig weiterentwickelt. Es hat Eingang in wissenschaftliche Lehrbücher an Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen gefunden. Das MpR ist in Schulbüchern ausführlich erläutert und spielt in vielen Unterrichtsfächern der Gymnasialen Oberstufen eine wichtige Rolle. Vor allem in Nordrhein-Westfalen ist es häufig in den Prüfungsfragen für das Abitur vertreten.

In seinem aktuellen Buch „Produktive Realitätsverarbeitung – Sozialisation in einer Welt voller Unsicherheiten“ stellt Hurrelmann die zentrale These auf: 
Nur wer lernt, sich der komplexen Realität zu stellen – anstatt ihr zu entfliehen – kann in einer krisenhaften Welt bestehen und sie mitgestalten. 

Bild: Verlagsgruppe BELTZ
| Bild: Verlagsgruppe BELTZ

Junge Menschen sind mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert: dem Klimawandel, Kriegen und Krisen, ökonomischen Turbulenzen, einer digitalen Überforderung und dem wachsenden Einfluss von künstlicher Intelligenz. Die Auswirkungen auf die psychische Stabilität, die Lern- und Arbeitsmotivation und die demokratische Orientierung der jungen Menschen werden im Buch beleuchtet. Hurrelmann plädiert dabei für einen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft: Statt Verzagtheit und Rückzug, erst recht nicht einer Flucht ins Autoritäre, fordert er für Erziehung und Bildung die Leitprinzipien Dialog, Resilienz und Gestaltungskraft.

Bei der Vermittlung von Lebenskompetenzen spielt die Schule eine zentrale Rolle. Hier kann Lions-Quest Kinder und Jugendliche gezielt beim sozial-emotionalen Lernen fördern und ihre Lebenskompetenzen nachhaltig verbessern.

 

Paneldiskussion bei der Buchvorstellung am 22.07.2025 an der Hertie School, Berlin | Stiftung der Deutschen Lions

Hurrelmann beschreibt in seinem Buch, wie Lions-Quest junge Menschen in ihrer Entwicklung fördern kann:
„[…] Zusätzlich sollten auch gezielte Programme zur Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen eingeführt werden. Diese Programme können etwa durch Rollenspiele, Diskussionen, Sozialtrainings und Workshops realisiert werden, bei denen Schülerinnen und Schüler lernen, Konflikte zu erkennen und zu lösen, sich in andere hineinzuversetzen und respektvoll miteinander umzugehen. Ein wichtiger Bestandteil solcher Programme ist die Arbeit mit realen Situationen, die die Schülerinnen und Schüler aus ihrem eigenen Leben kennen, so dass sie direkt an ihrer sozialen und emotionalen Kompetenz arbeiten können. Das Programm „Erwachsen werden“ von Lions-Quest bietet hierfür eine ideale Plattform. Hier werden Programme angeboten, die auf die Entwicklung eines gesunden Selbstvertrauens und Selbstwertgefühls abstellen, die bewusste Wahrnehmung der eigenen Gefühle und der Gefühle anderer fördern und die Fähigkeit stärken, Freundschaften aufzubauen und erfolgreich Beziehungen einzugehen und auch in Konfliktphasen aufrechtzuerhalten.“ (S. 147 f.)

Zum Ansatz des Lions-Quest Programms führt Hurrelmann aus:
„In diesem Kontext spielt das schon erwähnte Lions-Quest-Programm der sozialen Kompetenzförderung in Schulen eine wesentliche Rolle. Wie die fachliche Evaluation zeigt, trägt es dazu bei, gesunde, respektvolle und empathische Beziehungen zu fördern, die sowohl im schulischen als auch im sozialen Leben entscheidend sind.
Lions-Quest legt einen besonderen Fokus auf die Förderung von Empathie und zwischenmenschlicher Kommunikation. Durch gezielte Übungen und Reflexionen lernen Jugendliche, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und Konflikte auf konstruktive Weise zu lösen. Diese Fähigkeiten sind von zentraler Bedeutung, um eine starke Bindung zu Gleichaltrigen, Lehrkräften und anderen Mitgliedern der Schulgemeinschaft aufzubauen. Indem das Programm die Jugendlichen unterstützt, ihre sozialen Kompetenzen zu stärken, fördert es nicht nur ihre persönliche Entwicklung, sondern auch das soziale Klima innerhalb der Lerngruppe. In einer Umgebung, die von gegenseitigem Respekt und Verständnis geprägt ist, fühlen sich alle Schülerinnen und Schüler wertgeschätzt und integriert.
Durch diese umfassende Förderung trägt Lions-Quest zu einer nachhaltigen Entwicklung der Jugendlichen bei, indem es nicht nur kurzfristige Lösungen bietet, sondern langfristige Veränderungen im Verhalten bewirkt. Das Programm sorgt für ein positives Schulklima, das zu einer sicheren und inklusiven Schulumgebung beiträgt. Indem es Empathie und respektvollen Umgang schult, verringert es langfristig Gewalt und aggressives Verhalten und unterstützt so die Entwicklung einer stabilen und gesunden Schulgemeinschaft. Insgesamt leistet das Programm einen wesentlichen Beitrag zur Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen und hilft, ein respektvolles und aktives Miteinander in der Schule zu gestalten.“
(S. 149)
Klaus Hurrelmann: Produktive Realitätsverarbeitung - Sozialisation in einer Welt voller Unsicherheiten, Verlagsgruppe Beltz, Weinheim 2025

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