"Zukunft in Vielfalt" - zweites Pilotseminar in Rottweil mit positiver Resonanz

Die vier Senior-Trainer Marie-Luise Schrimpf-Rager, Ansgar Merk, Hartmut Denker und Johannes Pollmeier führten durch das zweite Lions-Quest „Zukunft in Vielfalt“-Pilotseminar (v. l.)

Meine Teilnahme am zweiten Pilotseminar Lions-Quest „Zukunft in Vielfalt“ im Landratsamt Rottweil hat mir genau dies bewusst gemacht. Das Seminar, konzipiert als eine anderthalbtägige Fortbildung für Lehrkräfte, Sozialarbeiterinnen, Fachpersonal in der außerschulischen Jugendarbeit, als auch haupt- und ehrenamtliche Kräfte, die mit jungen geflüchteten Menschen arbeiten, gab sehr viel Stoff zum Nachdenken über das Thema „kulturelle Vielfalt leben“.

Knapp fünfzehn Teilnehmer aus der Region erwarteten mit Spannung die Inhalte des neuen Seminars, welche die vier Senior-Trainer Hartmut Denker, Ansgar Merk, Johannes Pollmeier und Marie-Luise Schrimpf-Rager abwechselnd präsentierten. Die Teilnehmer hatten mehrheitlich in ihrer täglichen Arbeit mit jungen geflüchteten Menschen zu tun und wussten um die Problematik der Sprachbarrieren, unterschiedlichen Wertehierarchien und auch der Trauma-Symptome. 

Teilgenommen hatten Lehrer aus Vorbereitungsklassen, in denen die geflüchteten jungen Menschen auf die Regelklassen vorbereitet werden, als auch Lehrer von aufnehmenden Regelklassen sowie eine Ehrenamtliche, die ausschließlich mit geflüchteten jungen Menschen arbeitet. Das durchweg positive und konstruktive Feedback der Teilnehmer war für die Senior-Trainer, die gleichzeitig auch die Entwickler des Seminars sind, besonders wertvoll. Diese Rückmeldungen aus der praktischen Arbeit mit Geflüchteten werden teilweise in die endgültige Fassung des Seminarhandbuchs einfließen.

Den Einstieg in „Zukunft in Vielfalt“ bildete ein Überblick über den Inhalt des Programm-Moduls einschließlich des großen „Werkzeugkastens“ an bewährten „Energizern“ und Übungen sowie der großen Bildersammlung zur Begleitung der Arbeit mit jungen Menschen mit geringen Deutschkenntnissen. Unterteilt in die verschiedenen Gruppenphasen bietet das Handbuch zu jeder dieser Phasen Übungen. Viele der Übungen sind dank der Symbolbilder auch auf niedrigem Sprachniveau durchführbar, was die Teilnehmer besonders positiv bewertet haben.

Nach der Vorstellung des Gesamtüberblicks ging es dann direkt über in die Kennenlernphase. Bewährte „Energizer“ - kleine „Eisbrecher“-Übungen zum Kennenlernen und Wachwerden - sorgten dafür, dass die Teilnehmer mehr übereinander erfuhren.

Einen Einstieg in das Thema „Zugehörigkeit & Identität“ bildete die Übung „das Identitätsmolekül“. Hier galt es aufzuschreiben welchen Gruppen man sich momentan zugehörig fühlt und sich zu zweit darüber auszutauschen. Dies war eine erste Gelegenheit, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken.

Die Übung „Meine Migration“ zeigte eindrücklich auf, dass, so Hartmut Denker, „Migration zwar vielen Menschen einerseits Angst macht, aber andererseits völlig normal ist.“ Am Beispiel einer Deutschlandkarte sollten die Teilnehmer ihren Wohnort, den Geburtsort sowie die Herkunftsorte ihrer Eltern und Großeltern geografisch verankern. Hierbei wurde mehr als deutlich, dass fast alle Teilnehmer nicht dort leben wo sie geboren wurden und auch die vorherigen Generationen teilweise nach Deutschland immigriert sind. Dieser Blick auf die eigene Geschichte machte mir klar, dass wir im Grunde alle Migranten sind.

Wie es sich anfühlt, wenn man als Außenstehender neu zu einer Gruppe stößt und deren Regeln und Werte noch nicht kennt, zeigte mir deutlich das „Bergdorfspiel“. Ich musste mit zwei anderen Teilnehmern vor dem Raum warten, bevor wir wieder hereingerufen wurden. Inzwischen hatten sich die restlichen Teilnehmer in einen Kreis gesetzt und unterhielten sich. Wir drei „fremden Teilnehmer“ durften uns auf die freien Stühle im Kreis setzen und die Interaktion der anderen beobachten, die auf ein unbekanntes Stichwort hin immer einen Platz weiterrutschten. Während meine beiden Mitstreiter sich „integrierten“ und auch immer weiterrutschten ohne die Regeln zu kennen, spürte ich selbst viel Unbehagen einer mir unbekannten Regel zu folgen, nur weil es alle anderen so machen. Ratlosigkeit mischte sich bei mir mit Widerstand. So ist es also, sich fremd zu fühlen und die „Spielregeln“ nicht zu verstehen. Ich konnte plötzlich sehr gut nachvollziehen wie es ist, in ein fremdes Land zu kommen, die Sprache und Regeln nicht zu kennen und erstmal verunsichert und ratlos zu sein.

Viele weitere Übungen, wie zum Beispiel das Aufstellen einer persönlichen Wertehierarchie und der Konsens mit den Teilnehmern aus meiner Gruppe darüber, zeigten sehr deutlich auf, wie individuell unsere Werte sind. Sie sind durch unsere Herkunft, unsere Erziehung, Erfahrung, Alter, Geschlecht, Religionszugehörigkeit und Vieles mehr geprägt und selbst innerhalb unserer Teilnehmergruppe gab es pro Arbeitsgruppe unterschiedliche Ergebnisse.

Die Erarbeitung und Vorstellung eines Praxisbeispiels, in meinem Fall das Aufzeichnen eines persönlichen Wappens, bildete den Abschluss des zweiten Pilotseminars von Lions-Quest „Zukunft in Vielfalt“. Die Feedbackrunde zum Abschluss machte noch einmal mehr als deutlich, wie gut das Seminar bei den Teilnehmern angekommen war und wie wertvoll und praxisnah umsetzbar sie dessen Inhalte empfanden. Die Reflexion der eigenen Haltung gegenüber kultureller Vielfalt als auch die Definition der eigenen Regeln und Werte ist sicher eine gute Voraussetzung für eine bereichernde „Zukunft in Vielfalt“.

Kerstin Brenner

 

„Ich bin mit hohen Erwartungen in diese Fortbildung gegangen und muss sagen, dass diese absolut erfüllt wurden. Das war bislang das beste Seminar an dem ich teilgenommen habe.“
(Katharina H., Realschullehrerin)

 

„Der hohe Praxisanteil des Seminars hat mir sehr gut gefallen. Es war nah an meiner täglichen Arbeit und ich kann die gezeigten Übungen sehr gut in meinem Unterricht anwenden.“
(Wolfgang N., Lehrer einer Vorbereitungsklasse an einer Gemeinschaftsschule)

 

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Aktuelles

Lucien Vico Kempe, staatliches Schulamt Fritzlar:

„Das Seminar „Zukunft in Vielfalt“ ist eine in der Methode gelungene Mischung aus Praxis und Theorie, optimal zugeschnitten auf die Heterogenität, Diversität und Vielfalt an allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufen I und II. Das Seminar selbst war  „Großes Kino“.

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